Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

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Schneeflocke
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Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Schneeflocke » So 17. Feb 2013, 19:58

Wie seid ihr dazu gekommen, in die schwarze Szene zu gehen?
Fing es mit einem Gefühl tief in einem an, ähnlich wie die Sehnsucht nach Liebe?
Wie kamt ihr überhaupt an die Musik, die so weit weg von Mainstream ist?
Und wie habt ihr es Eltern/Freunden/Bekannten/Arbeitskollegen erklärt?
Faziniert euch die Szene immernoch?
Und was gefiel/gefällt euch so an ihr?
Habt ihr es jemals bereut?
Fällt mir noch was ein?
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Angeal Hewley Final Fantasy VII Crisis Core

Riku

Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Riku » So 17. Feb 2013, 21:15

Zusammengefasst: Irgendwann findet man seinen Musikgeschmack.
Man stößt zufällig auf eine "neue" Musikrichtung (ich verdanke alles Frauentausch - Generationentausch, kein Scherz), beschäftigt sich mit ihr, verfestigt sich auf etwas, wird zunehmend unzufrieden, sucht sich etwas Neues, um Abwechslung zu bekommen, usw.
Ich hatte schon immer einen Hang zu etwas tiefergestimmter Musik und bin irgendwann auf The Rasmus gestoßen (Alternative Rock), bis ich dann, durch Zufall, auf Gothic gestoßen bin. Eines Abends Frauentausch gesehen, wo ein WG-Gruftie mit einem Rentner getauscht, suchte ich auf YouTube nach Gothic Musik und stieß auf Theatre Of Tragedy - Siren; Volltreffer. Dann ging es über Sirenia und Mortal Love durch weiteren, großen Zufall in Richtung Blutengel (erster Song: The Oxidising Angel, war ein guter Übergang). Damals noch mochte ich verzerrte Stimmen, wie bei Children Of The Night, nicht, was sich aber schnell änderte - ohne geht bei mir schon kaum. Joa, hab alle Songs ausgetestet, kannte denn schon alles und tastete mich in Richtung Nebenprojekte ab. Zunächst war es Seelenkrank (zur dunklen Jahreszeit ganz gut passend), danach Terminal Choice all-inclusive und seit diesem Winter liegt auch Tumor in musikalischer Reichweite.
Jetzt allerdings verfolge ich einen Trend in Richtung EBM oder wieder "back to the roots" - in Richtung Gothic. Irgendwann verfestigt man sich nicht mehr auf etwas (ich hörte ausschließlich die alten BE-Sachen) und bedient sich eines breiteren Spektrums.

Zum Sozialen:
Was passiert, wenn man nicht Mainstream ist? Na klar, man ist "anders". Aber da ich sehr selbstbewusst bin, hatten mich damalige Äußerungen wie "The Rassismus" oder "Blutstengel" nie tangiert. Schließlich kommt es nicht nur auf die Musik an, die man hört, sondern auf die Art, mit der man jemandem entgegentritt. Urteile sollten nicht nach Sekundaritäten gefällt werden...
Ich grenze die Musik bewusst von meiner Erscheinung ab, da ich mich in der Schule z.B. "normal" verhalte, mich nicht schwarz kleide o.ä. und somit jemandem neutral gegenüberstehe. Orientierung ist die eine Sache, Erscheinung die andere.

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Moon
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Moon » Mo 18. Feb 2013, 22:10

als ich 12 oder so war hatte ich meinen besten freund verloren und nach trauriger musik gesucht, und irgendwann war bei facebook rechts so ne werbeanzeige von "reich mir die hand" angeklickt, angehört, verliebt, hab immer mehr sachen von blutengel gesucht und verdanke ihnen somit das ich hier bin :D hab immer mehr nach ähnlicher musik gesucht und hab diese dann irgendwann nur noch gehört und die "mainstream" musik gar nicht mehr gehört... hab angefang nur noch schwarze kleidung zu tragen und ja... bin dann immer mehr in die sache rein gerutscht^^ hab dann aber eben anfangs nur "blutengel ähnliches" gehört... & jetzt bin ich da recht flexibel und hör eigtl alles... metal, pagan-folk, post-hardcore und so^^
meinen eltern oder freunden ist das egal zumal ich mich ja nicht viel verändert hab auser vom aussehen halt.^^ man bekommt zwar ab und zu was dummen an den kopf geworfen aber mei gott ich fühl mich wenn ich in rosa sachen rumlaufe eben nicht wohl x3
ich bereu den eintritt in die schwarze szene auf keinen fall, weil ich meine... ein leben ohne Blutengel?.. nein danke c:
besonders an der szene fasziniert mich noch wie vielseitig sie ist c: und die ganzen schönen sachen~

neben bei am rande... ich mag das wort "mainstream" nicht.. da so viele sagen das sie das nicht sind sind sie schon wieder auf ne art und weise mainstream..^^
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Schneeflocke
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Schneeflocke » Di 19. Feb 2013, 04:43

Offtopic:
Bei Facebook ne Werbeanzeige von Blutengel? Wow ... das hatte ich noch nie. Nun gut aber ich bin auch nicht bei Facebook.
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Kyonshī
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Kyonshī » Mi 20. Feb 2013, 17:24

Ich habe die Szene nicht gesucht, aber sie hat mich eines Tages gefunden. So "richtig" drin, bin ich eigentlich erst seit ich 18 bin, was eigentlich recht spät ist.
Ich war schon immer emotionaler und düsterer als andere. Und hatte auch schon immer einen etwas makaberen Humor. Ich konnte schon mit 10 über Freddy Krügers Sprüche lachen.
Als 1986 Tschernobyl hochgegangen ist, war ich erst 7, aber als am 1. Mai der Fallout runterkam und alle Erwachsenen um uns herum durchgedreht sind, wurde mir trotz des geringen Alters die Endlichkeit unseres Lebens bewusst. Auf gut deutsch: Ich hatte eine Scheiss-Angst. Als ich 10 Jahre alt war, ist meine damals beste Freundin bei einem Autounfall getötet worden zusammen mit ihrer Schwester, die gerade mal 10 Monate alt war. Da hatte ich keine Angst mehr, sondern war nur traurig und vor allem wütend, weil das so unfair war.
Ich auf jeden Fall durch diese Ereignisse schon sehr früh nachdenklicher und tiefsinniger als andere geworden und habe nie verstehen können, warum Menschen so völlig gleichgültig und oberflächlich in den Tag hinein leben können.

So eines der ersten Bücher, die ich als kleines Kind gern gelesen habe, war "Der kleine Vampir". Klischee ick hör dir trapsen, aber es ist genauso gewesen. Und die dt.-kanadische Serie Ende der 80er dazu war ja schon irgendwie Grufti-mäßig gedreht. Rüdiger war ein Mini-Robert Smith und Lumpi hatte ne Grufti-Gang. Auf jeden Fall war das damals alles sehr beeindruckend.
Ein paar Jahre später in den Anfängen von MTV lief ja gerne mal Szene Musik da, Sisters, Cure und später auch Pitchfork. Depeche Mode, wenn man so frei sein darf, die auch dazu zu zählen. Ich mochte aber auch viele andere alternative Sachen, Nirvana, G n' R, Metallica. Für mich war das immer gute Musik, weil sie ehrlicher war. Ich konnte nie die ganzen Mädels verstehen, die Take That und Konsorten hinterher gerannt sind.
Mitte der 90er habe ich dann noch Trance und dieses Euro-Elektro-Zeugs gehört.

1997 ist meine Mutter gestorben und mein Bruder (der mehr oder weniger aus der Metal-Fraktion kommt) hat in seinem Zimmer "Die Gedanken zerschnitten. Doch es blutet nicht ...". Das ist aus 'Der Spiegel' von Goethes Erben und hat ziemlich treffend meine Gefühle beschrieben. Somit hat der gute alte Herr Henke die Türe aufgestoßen.
Von meinem Bruder habe die "Lieder, die wie Wunden bluten" von L'Âme Immortelle bekommen. Das war genau mein Ding und somit die Einstiegsdroge.
Bin dem ganzen sehr offen gegenüber gestanden, von daher höre ich eigentlich alles über NDT, Darkwave, EBM, Futurepop, Darkelectro, Synthrock/pop bis hin zu Gothicrock, Gothicmetal und auch Melodic Death oder Blackmetal.

Was das Soziale angeht: Dadurch, das ich so spät dazu kam, fiel der Umgang damit in der Schule aus. Allerdings war ich dort trotzdem auch Aussenseiter, was mich lange sehr belastet hat. Nachdem meine Mutter gestorben ist, kamen die meisten auf einmal auf mich zu und haben mich überall hin mitgenommen. Das habe ich ein halbes Jahr mitgemacht und war auch ehrlich froh drum und dann habe ich es sein lassen, weil ich gemerkt habe, dass die nicht in meine Welt passen. Die hatten nur Alk und dümmliche Ballermann-Musik im Kopf.
Einige haben sich doch tatsächlich bei den wenigen wirklichen Freunden, die ich damals hatte, für das frühere Verhalten mir gegenüber (v.a. in der Mittelstufe) entschuldigt. Denn Mumm, selber zu mir zu kommen, hatten die offenbar nicht.

Dann war ich nach dem Abitur erst mal im Ausland und konnte da so sein wie ich will, weil mich ja jeder dort so kennengelernt hat, wie ich war und von daher keine Probleme mit mir hatte.
Und seit ich auf der Uni bin, kann ich eh tun und lassen was ich will, weil das jeder tut und die Leute aus allen Herren Länder kommen und ne bunt-schwarze Vielfalt doch auf jeden Fall eher gefördert als torpediert wird. Der Informatik-Fachbereich z.B. ist mit Wacken-Postern vollgehängt.

Auf der Arbeit kann ich eh kein Schwarz tragen (weil McD-Uniform), aber die kennen mich auch in schwarz und finden es toll.
Außerdem bin ich da mittlerweile die gute schwarze Seele und seit ich mit nem Dimmu Borgir Kapuzen-Pulli da durchgelaufen bin auch der "Zwerg der Finsternis".
Always be kind and polite... and have the materials to make a bomb.

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Schneeflocke
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Schneeflocke » Mi 20. Feb 2013, 18:05

Klingt wie ein Bilderbucheinstieg für einen Goth. Kyonshi du hast mein volles Mitgefühl, auch wenn ich weiß, dass du es spätestens jetzt nicht mehr brauchst ^^"

Ich denke ich sollte langsam mal mit der Sprache rausrücken, was mich dazu verleitet hat dieses Thema zu öffnen.
Ich kam mir eigendlich unnormal vor, wie immer eigendlich.
Ich dachte, da kommt man nicht einfach so ran an die Szene und die Musik, sondern braucht erst einen Anreiz. Aber anscheinend geht beides, bei dem einen Schicksalsschläge, bei dem anderen vielleicht ein Werbebanner. Ich hatte keins von beiden, nirgendwo Anreize die von der Szene ausgingen. Und ich finde, dass ist Beweis genug, dass die Szene keine eigene Welt, mit anderen Gesetzen darstellt, wie RTL suggeriert.
Und ich kam mir schlecht vor ein Thema zu eröffnen ohne meine Gründe offenzulegen.

Offtopic:
Ich, ich, ich. Ich hasse das Wörtchen "Ich" es klingt falsch. -.-
Und warum zum Teufel denke ich darüber nach?
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Riku

Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Riku » Mi 20. Feb 2013, 18:19

Offtopic:
Schneeflocke hat geschrieben:Ich, ich, ich. Ich hasse das Wörtchen "Ich" es klingt falsch. -.-
Und warum zum Teufel denke ich darüber nach?

Eine häufige Verwendung des Wortes ich kann stilistisch sein, aber auch andere Ursachen haben.

So, wie ich das sehe, ist die ursprüngliche Szene an sich kein schwarzer Kreis, in dem sich alle treffen, sondern ein persönliches Interesse. Leute mögen den Trend/die Mode nicht, sie fühlen sich anders und suchen deshalb nach etwas anderem, das zu ihnen passt. Dadurch, dass sich die Leute dann untereinander kannten, sind Bekanntschaften entstanden und der Empfangsradius jener Gruppen wurde immer Größer, bis ein großer, schwarzer Kreis entstand, in dem sich alle "anderen" treffen - heutzutage ist die leider von Pseudogrufties und Pseudogruftiemusik überflutet; ein Zufluchtsort wird zerstört.
Das Problem sind einfach die Pseudos... "Ahh, die Grufites sind anders - haha, ich bin auch anders, obwohl ich Popmusik höre, 1000 Freunde bei Facebook habe und RTL meint, dass die Szene interessant sei. Aber kann auch sein, dass ich wie ein pubertärer Emo Aufmerksamkeit suche und mich deshalb da reinschmuggeln möchte."
Die Folge: eine Gemeinschaft, die sich wieder in Richtung Mainstream bewegt, während die wahren Gothics sich wieder verclanen. Arme Gesellschaft...

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Schneeflocke
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Schneeflocke » Mi 20. Feb 2013, 18:45

Ein GLÜCK, dass ich Facebook für Schwachsinn halte ^^
Und da ihr so nett seid eure eigene persönliche Geschichte zu posten,
Offtopic:
Leute ich danke euch *knutsch*

Erzähl ich euch mal meine Geschichte.
Als ich kleiner war, (so 10-12) war ich sehr viel im Internet, und auf Myvideo und Youtube unterwegs. Auf Myvideo hab ich mal was zu Vincent Valentine (Final Fantasy VII) gesucht und hab auch eins gefunden, ein Musikvideo unterlegt von Musik von E- Nomine.
Die Musik war anders, aufregend und ich liebte das Kribbeln das es in meiner Magengrube hinterließ. Irgendwann suchte ich hungrig geworden nach der neuen Musik, und suchte gleichzeitig nach Naruto AMVs (übel, wenn ich jetzt so zurückdenke >.<). Währenddessen bin ich auf Subway to Sally gestoßen, die waren nochmals anders weil ich damals einen Faible zum Mittelalter hatte.
Bei einem Lied (ich weiß gar nicht mehr welches es war), war da in der Youtubeleiste, Angels of the Dark von Blutengel. Neugierig wie ich bin, hab ich draufgeklickt, und danach auf Bloody Pleasures. Erst mochte ich es nicht, aber es hat mich faziniert, nach ein paar mal anhören gefiels mir. Jetzt steh ich drauf. Ich weiß nicht ob es am Text lag, oder an der Melodie. Selbst in meiner Japan-phase habe ich noch manchmal Blutengel gehört.
Im Prinzip habe ich mir die Musik ersucht. Und der richtige echte Kontakt, mit der "echten Szene" nicht der Pseudo- Szene ist erst in den letzten Monaten entstanden.
Ich habe ein Jahr gebraucht um Blutengel zu finden.
Tja und in Moment, hab ich das Internetradio an und hör mir, andere Bands als Blutengel an.
Das Erklären und der erste reale Kontakt stehen noch an.
... Ließt sich etwas komisch ... find ich.
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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon deadcry666 » Fr 22. Feb 2013, 15:47

Bei mir Fing es mit 12 Jahren an *gg* mein kumpel damals hörte black metal.irgendwann gefiehl mir das auch aber irgendwie war es noch nicht das, nach was ich suchte.
Naja ich begann mich schwarz zu kleiden und tat was ich wollte [cool]
man lernte die band kennen und die und die und die.....
bis ich durch jemanden zu Blutengel kam.VOLLTREFFER!
Die band gefiehl mir auf anhieb.Es waren immer songs dabei, die gerade zu einer bestimmten situation von mir passten und so ist es auch heute noch.
so vergingen die jahre...und hört man die ersten Blutengel lieder, erinnert man sich gern zurück an die bilder, den gefühlen , einfach alles.deswegen ist blutengel meine absolute top band.über die geht nichts :)

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Re: Wie habt ihr den Weg in die Szene gefunden?

Beitragvon Identitätsbehaupter » Fr 22. Feb 2013, 19:54

Ich mach auch mal mit.. Ausnahmsweise (;

Als ich 12 oder 13 war, habe ich die Schule gewechselt. In meiner neuen Klasse war ein unglaublich cooler Typ, der praktisch alle magisch angezogen hat. Er war älter, hat schon geraucht, getrunken, gekifft und trug immer nur schwarz.
Ein paar Jahre vergingen und irgendwann stellte ich fest, dass er eine Band hatte "Muzzy" später zu: "Ending Story". Sie machten Grindcore- Sehr harter, schneller Metal mit dem üblichen Gegrunze. Also bin ich gleich ganz hart eingestiegen.
Und ich fand es super. Headbangen, Corpsepaint, Pogo.
Damals war ich noch überhaupt nicht reflektiert. Ich fand es einfach nur unsagbar cool.
Von da ab habe ich mich für die Metal- aber auch Punkszene interessiert. Dann habe ich jahrelang Kontakt zur hiesigen Punkern gehabt und liebte es die Tage auf öffentlichen Plätzen mit Bier und Unsinn zu verschwenden. Und Anti Anti und Pogo, raue Unzivilisiertheit, Rebellion, Chaostage.
Ich fing an mir die Haare zu färben und später habe ich mir Dreadlocks gemacht. Da war ich 15. Meine Mutter hat geweint, ich erinnere mich noch, wie sie sagte, dass sie sich so nicht mehr mit mir blicken lassen wolle. Das hat Öl ins Feuer gegossen. Ich wollte mehr! Mehr Rebellion, mehr Anti sein, anders sein.. ohne überhaupt zu wissen warum.
Dann bin ich ein wenig an die falschen Leute geraten und habe ordentlich mit dem Saufen angefangen. - Andere Drogen habe ich nie zu mir genommen, weil ich einen etwas engstirnigen Mentor, der seinerseits Goth war - Das heißt, ich habe schon so jahrelang neben der Szene daher gelebt.
Reflexion über das ganze kam erst sehr viel später.
Irgendwie hat das ja doch was mit der Umgebung zu tun und.. Lustigerweise bin ich .. wahnsinn.. ich glaube 2006 das BE-Forum über besagte Person entdeckt- vorher natürlich schon die Musik, aber Musik war für mich immer Zweitrangig. Mich haben die Leute der Szene interessiert. Jedenfalls bin ich hier Distanzobjekt begegnet und von diesem Zeitpunkt an hat mein Leben eine 180° Drehung gemacht.
Nur so viel: Bereits während meines Abiturs habe ich meine Liebe zur Philosophie und zu Sozialwissenschaften entdeckt, ebenso wie meine Liebe zu Literatur und tiefer Ästhetik. Dann haben sich andere Talente und feine Empfindungsmuster aufgetan, die ich gar nicht zu beschreiben mächtig bin.
Plötzlich habe ich mich für Bildung und Kunst interessiert, parallel dazu wuchs mein Interesse an der Szene. An Tiefe, Ästhetik, Reflexion, WIssen und Leidenschaft.
Doch sehr schnell, viel zu schnell, wurde mir klar, dass auch die Szene meinen Ansprüchen nicht gerecht werden kann und zu flach ist. Zumindest das allermeiste. Übrig bleiben noch eine Handvoll Menschen, mit denen ich noch immer tief verbunden bin und vielleicht die eine oder andere Musikgruppe (Stillste Stund zB)- BE zähle ich leider nicht dazu.
Dann habe ich angefangen zu studieren und habe mich mehr und mehr mit mir und meinem Umfeld befasst, viele Begebenheiten hinterfragt und bin zu derart allumfassenden Ergebnissen gekommen, dass sie selbst manchmal absolut abstrakt und irreal wirken. Dadurch hat mein Bezug zur Szene noch mehr nachgelassen, weil ich mich einfach nur noch als Beobachter, Meta-Denker sehe. Vielleicht ist das ein bisschen elitär, doch das bleibt nicht aus, wenn man sehen will, was den Schatten an der Höhlenwand geworfen hat.
Schwarz trage ich eigentlich nur noch aus Gewohnheit und vielleicht aus einer winzigen, noch vorhandenen Empfindung aus der Vergangenheit. Wobei: Ich habe mir vor fast einem Jahr einen Sidecut schneiden lassen- ich bekam es einfach kostenlos angeboten und habe nicht nein gesagt. (Man bedenke, dass meine restlichen Haare ziemlich lang sind und mir über den halben Rücken gehen).
Aber auch da gab es vorher reichlich Überlegungen und- es hat auch eine tiefere Bedeutung als einfach nur dem Szenen-Trend.
Und es sieht einfach gut aus (;
Mein Umfeld kennt mich nur so. Dezent Schwarz und irgend ein Detail stimmt nicht. -Und meistens ist es sowieso mein Verhalten, woran sich die Menschen stören oder auch nicht.

Ich habe jetzt vieles unerwähnt gelassen: Meine ausgefallenen Hobbys bzw. mein Lebensinhalt, der irgendwie schon und irgendwie auch gar nicht zur Szene passen will, Meine Kindheit, die eigentlich auch sehr viel mit der ganzen Entwicklung zu tun hat und meine grundsätzliche Weltsicht bzw. vor allem: Mein Menschenbild.
Aber das alles hier aufzurollen wäre viel zu aufwändig und- einiges will ich hier auch einfach nicht schreiben, denn mein Innerstes ist nicht für jedermanns Augen bestimmt.
Somit: Einfach nur die flache Geschichte zum konsumieren. Aufbereitet, dass auch deine Augen sie ertragen.
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

Heiner Müller - Die Hamletmaschine


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