Heimweh

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Pohline
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Heimweh

Beitragvon Pohline » Di 11. Nov 2014, 13:57

Ich weiß nicht, ob ich die richtige Worte dafür finden werde. Ich weiß sogar nicht, ob ich darüber schreiben sollte. Aber naja, das ist etwas ziemlich Schweres für mich, das ich seit drei Jahren tragen muß. Und ich bin mir sicher, ich werde noch es für viele Jahre tragen müssen werde. Naja, ich fange mal an.

Ich bin in Frankreich geboren und lebe noch dort. Doch vor vier Jahren habe ich die deutsche Sprache entdeckt. Zuerst hatte ich mich nur in die Sprache verliebt. Aber dann habe ich über Deutschland gesucht, und je mehr ich darüber lernte, desto mehr ich mich zum Lande verbunden fühlte. Ich kann nicht so richtig erklären, wie das gekommen ist, aber seit wenigstens drei Jahren habe ich das Gefühl, daß das Zufall (wenn so ein Ding wirklich existiert) einen großen Fehler gemacht hat, damit ich im falschen Land geboren bin. Ich bezeichne mich als Deutsche, und Deutschland als mein Land. Wenn ich über Deutschland bzw. die Deutschen spreche, sage ich oft "wir". Es ist automatisch, ich denke nicht nach, bevor ich "wir" sage. Meine Mutter hat mir gesagt, daß aufzuhören. Aber ich kann nicht "wir" über die Franzosen sagen, ich fühle, wie sie Leute, die zu einem anderen Volk als ich gehören, sind. Leider ist Deutschland fern, und es tut mir weh, so fern von meinem Land zu sein. Ich habe sowas von einem Heimwehgefühl. Manchmal weine ich sogar.

Ich brauche es, immer mehr und mehr und mehr über Deutschland zu suchen. Alles, was ich kann, suche ich : Geschichte, Politik, Kultur… alle, was ich kann. Manche Leute, die ich kenne, bezeichnen mich jetzt als "Deutschland-Expertin" und fragen mich, irgendwas zu erklären. Aber ich bin keine Expertin, ich muß noch viele Dinge über das Land lernen. Eigentlich suche ich machmal über Dinge, und frage mich danach, ob die Deutschen sich dafür interessieren. Wie zum Beispiel die Herkunft und Geschichte der Bundesflagge. Die Symbolen von Deutschland sind auch mir sehr wichtig, ich kann das nicht so richtig beschreiben, aber wichtig sind sie mir wirklich.

Meine Liebe für Deutschland wird leider sehr oft kritisiert. Wisst ihr, ich lebe in Korsika. Und hier haben die Menschen immernoch etwas gegen die Deutschen. Sie haben ihre Meinung seit 1943 nicht geändert. Wenn ihr versteht, was ich damit meine… Das tut mir sehr weh. Ich fühle, daß niemand mich wirklich versteht. Sogar nicht meine Mutter. Sie denkt, ich liebe das Land, aber nur, weil es mir gefällt. Ich denke, mein Gefühl ist tiefer als nur "das Land gefällt mir gern".

Ich habe das Projekt, nach Deutschland umzuziehen, oder genauer nach Hause zurückzukehren. Und ich will auch kämpfen, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen, und auf die französische zu verzichten. Es ist meine Richtung.

Ich mag verstehen, daß mein Fall ziemlich außergewöhnlich klingen kann, oder sogar blöd, aber ich habe das Gefühl, hier verurteilt man nicht. Ich habe bestimmt nicht alles gesagt, aber ich finde nicht die richtige Worte, um mein Gefühl zu erklären. Ich hoffe, mein Beitrag ist nicht zu lang(weilig).
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Jack Harkness
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Re: Heimweh

Beitragvon Jack Harkness » Di 11. Nov 2014, 17:48

Hallo Pohline,habe dein Posting über Heimweh gelesen,und es ist gut,dass Du darüber schreibst,Dein Heimweh ist weder albern noch unverständlich.Du magst Deutschland und Frankreich nicht so sehr,nun es kann Dich keiner zwingen frankreich zu lieben,nur weil Du dort geboren bist oder wohnst.da Du Deutschland so sehr liebst,solltest Du vielleicht überlegen später einmal herzu ziehen.Du bist dort Zuhause wo Dein Herz Zuhause ist und nicht wie es auf dem Papier steht,wenn es sich Deutschland verbunden fühlt,bist Du Deutsche. :) ;)

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Distanzobjekt
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Re: Heimweh

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 12. Nov 2014, 18:45

Ich selbst kenne Einige die haben einen Bezug zu Frankreich, auch ich bin gerne dort unterwegs, wenngleich mein Französisch Jenseits von gut und Böse ist. Jedes Land hat seinen Reiz, bei Deutschland bin ich mir da allerdings aus historischen Gründen nicht so sicher. Mit der Abdankung des Deutschen Kaisers nach dem verloren Weltkrieg, steckte Deutschland in einer Identitätskriese die darin mündete, noch einmal in den Krieg zu ziehen. Und wieder wurde Deutschland geschlagen doch damit nicht genug, die Siegermächte besetzten das Land und entschieden, wie es mit Deutschland weitergehen solle. Frankreich, England und Russland meinten, ein Bauernstaat wäre das Beste, nur die Amerikaner waren anderer Ansicht, sie wollten das Deutschland tatsächlich demokratisch wird. Und so kam mit dem Kaugummi und der CocaCola der letzte Schlag diesem Land das Bewusstsein für seine eigene Kultur und Kulturverständnis aus den Leib zu prügeln. Es ist grotesk wenn junge Menschen mit Springerstiefel meinen, sie wüssten was von Vaterlandehre zu erzählen, dass wussten zum Teil unsere Großeltern nicht einmal mehr. Daher, wenn dich die Geschichte von Deutschland wirklich interessiert, was vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg vorgefallen ist, schaue Dir bitte historische Aufzeichnungen aus den umliegenden Nationen an, also aus Frankreich, der Niederlande, Belgien, Schweiz, Polen. Sie schildern Deutschland und Hitler als etwas gänzlich anderes als das was wir hier kennen und das sollte uns zu denken geben. Wir sind keine Nation mit nationalen Stolz oder Bewusstsein mehr, weil wir es nicht kennen. Und jeder der versucht es nach zu vollziehen hat schnell den Ruf als Nazi weg, nicht zuletzt auch weil man nur wenig findet, was Deutschland als Kulturland aus einer Zeit vor den Weltkriegen ausmacht. Fragt man einen jungen Menschen nach Schiller, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Kant, Gehlen, also allem was vor und mit dem ersten Weltkrieg an Kopf bewies, wissen sie nichts und wenn doch wirkt es als wäre es ein gänzlich anderes Land.
1. Kunst und Schaffenskraft lässt sich genauso leicht kritisieren, wie es für den Kritiker schwer ist besseres zu leisten.
2. Nur wer Toleranz Grenzen setzt, weiß Freiheit zu schätzen.
3. Nur wer Achtung sät wird Achtung ernten.
4. Den Kopf zum denken benutzen ist keine Straftat.

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Re: Heimweh

Beitragvon Jack Harkness » Mi 12. Nov 2014, 19:02

Offtopic:
An Distanzobjekt:Sorry,ich wollte nicht,dass ein falscher Eindruck entsteht,ich habe auch keinen Nationalstolz,aber möchte nur jemanden sagen,dass sie nicht traurig sein soll.

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Re: Heimweh

Beitragvon Distanzobjekt » Mi 12. Nov 2014, 21:29

Offtopic:
Alles gut, gab keine kommunikative Differenzen.
1. Kunst und Schaffenskraft lässt sich genauso leicht kritisieren, wie es für den Kritiker schwer ist besseres zu leisten.
2. Nur wer Toleranz Grenzen setzt, weiß Freiheit zu schätzen.
3. Nur wer Achtung sät wird Achtung ernten.
4. Den Kopf zum denken benutzen ist keine Straftat.

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schwarze Rose1oo

Re: Heimweh

Beitragvon schwarze Rose1oo » Fr 14. Nov 2014, 09:23

Distanzobjekt hat geschrieben:Ich selbst kenne Einige die haben einen Bezug zu Frankreich, auch ich bin gerne dort unterwegs, wenngleich mein Französisch Jenseits von gut und Böse ist. Jedes Land hat seinen Reiz, bei Deutschland bin ich mir da allerdings aus historischen Gründen nicht so sicher. Mit der Abdankung des Deutschen Kaisers nach dem verloren Weltkrieg, steckte Deutschland in einer Identitätskriese die darin mündete, noch einmal in den Krieg zu ziehen. Und wieder wurde Deutschland geschlagen doch damit nicht genug, die Siegermächte besetzten das Land und entschieden, wie es mit Deutschland weitergehen solle. Frankreich, England und Russland meinten, ein Bauernstaat wäre das Beste, nur die Amerikaner waren anderer Ansicht, sie wollten das Deutschland tatsächlich demokratisch wird. Und so kam mit dem Kaugummi und der CocaCola der letzte Schlag diesem Land das Bewusstsein für seine eigene Kultur und Kulturverständnis aus den Leib zu prügeln. Es ist grotesk wenn junge Menschen mit Springerstiefel meinen, sie wüssten was von Vaterlandehre zu erzählen, dass wussten zum Teil unsere Großeltern nicht einmal mehr. Daher, wenn dich die Geschichte von Deutschland wirklich interessiert, was vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg vorgefallen ist, schaue Dir bitte historische Aufzeichnungen aus den umliegenden Nationen an, also aus Frankreich, der Niederlande, Belgien, Schweiz, Polen. Sie schildern Deutschland und Hitler als etwas gänzlich anderes als das was wir hier kennen und das sollte uns zu denken geben. Wir sind keine Nation mit nationalen Stolz oder Bewusstsein mehr, weil wir es nicht kennen. Und jeder der versucht es nach zu vollziehen hat schnell den Ruf als Nazi weg, nicht zuletzt auch weil man nur wenig findet, was Deutschland als Kulturland aus einer Zeit vor den Weltkriegen ausmacht. Fragt man einen jungen Menschen nach Schiller, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Kant, Gehlen, also allem was vor und mit dem ersten Weltkrieg an Kopf bewies, wissen sie nichts und wenn doch wirkt es als wäre es ein gänzlich anderes Land.


Was du geschrieben hast ist schon richtig. Wir waren früher nicht gerade die liebsten in den Kriegen. Aber wenn ich mir Dokus ansehe, sind nicht alleine wir die bösen gewesen.
Selbst die Ami`s und die Russen waren (und sind auch noch) schlimmer als wir es waren.
Das Hitler krank war und nicht mehr richtig wusste was er tat steht außer Debatte. Seine Helfer die waren nicht Unschuldig an dem was passiert war.
Aber das was Ami`s und Russen sich geleistet hatten wird nicht so hochgeschaukelt.
Es waren halt immer die Deutschen.


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