Leben um zu arbeiten

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Gattina
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Leben um zu arbeiten

Beitragvon Gattina » Do 23. Feb 2012, 18:29

Da hier ja viele in der gehobeneren Altersklasse sind, hätt ich gern gewusst wie ihr das so empfindet.

Ne Zeit lang hatte ich keine Arbeit und hab die arbeitende Bevölkerung von außen beobachtet.
Hab dann meine persönlichen Schlüße gezogen, die Welt kam mir ziemlich grau vor und alle erschienen mir wie Marionetten des Systems (Matrix lässt grüßen ;-)).
Jetzt gehöre ich auch zur arbeitenden Bevölkerung und merke das das garnicht so einfach ist wie es von außen aussieht.
Manchmal kommt es mir so vor als wenn ich nur arbeite, schlafe, arbeite, schlafe und wieder arbeite.

In Zeitschriften hab ich gelesen, das viele sich heutzutage zu sehr mit ihrem Job identifizieren und deshalb schnell zum Burnoutsyndrom neigen.
Hmm..

Ich bin gern auf meiner Arbeit, aber es fällt mir schwer abends noch meinem Hobby nachzugehen da mein Geist dann nicht mehr die nötige Konzentration aufbringen kann. Auch auf menschliche Kontakte kann ich abends nicht mehr, weil ich den ganzen langen Tag mit vielen Menschen rede. Zeit für Freunde bleibt nur am WE.

Wie geht es euch damit, wie managt ihr das, kommt ihr noch zu euren Hobbys?
Fühlt ihr euch manchmal auch im Alltag verloren?

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Identitätsbehaupter
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Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon Identitätsbehaupter » Do 23. Feb 2012, 20:00

Also ich bin noch nie in den Genuss gekommen richtig in der freien Marktwirtschaft zu arbeiten..
Aber ich studiere zur Zeit und maße mir mal an dazu etwas sagen zu können, schließlich werden wir dort zu Arbeitstieren ausgebildet. Ich denke, der Druck unter dem die Studenten stehen ist ein anderer, als der Arbeitsdruck.

Ich nehme mein Studium sehr ernst. Das prägt meinen Alltag extrem: An einem normalen Tag verbringe ich durchschnittlich 3 bis 6 Stunden in der Uni, das ist eigentlich nicht sehr viel. Aber das ist schon mal Zeit die ich einplanen muss, denn es gibt fast überall Anwesenheitslisten. Dann kommt hinzu, dass man in einer Woche etwa 120 Seiten Fachliteratur für die Seminare lesen sollte, hinzu kommen Protokolle, Termpapers oder Zusammenfassungen die man abgeben muss. Außerdem sollte man sich bereits während der Vorlesungszeit auf die Klausuren und Hausarbeiten vorbereiten. Das heißt: man muss auch viel Zeit in das Aufarbeiten von Vorlesungen, Literatursuche, Materialsichtung etc. investieren. Das ganze schaukelt sich hoch bis zum Ende der Vorlesungszeit.. Dann heißt es meistens ca. 3 Wochen lang lernen ohne Pause: Meistens hat man dann zwei Klausuren mit einem Umfang von 200 bis 300 Seiten die gelernt werden müssen und 3 Hausarbeiten á 20 Seiten zu schreiben. Dann ist man 12 Stunden am Tag am lernen. Morgens um 8 in die Bibliothek, Abends nach hause und weiterlernen. Auch am Wochenende, auch Sonntags. Keine freie Minute, jeder Moment wird ausgenutzt zum verinnerlichen, vergleichen, korrigieren, ausarbeiten etc..
Und dann auf einen Schlag hat man 2-3 Monate frei. Das ist dann die Zeit für meine Hobbys, die ich in der Vorlesungszeit extrem vernachlässige.
Eigentlich gefällt mir der Rhythmus, da ich mir sehr viel der Zeit selbst einteilen kann.. ich könnte die Arbeit auch über die ganzen Monate verteilen, aber das möchte ich nicht.
Ab heute habe ich übrigens bis April frei.. das bedeutet natürlich viel Spielraum.

Aber dennoch, es ist eigentlich nicht machbar was verlangt wird. Und das obwohl ich in den Augen der meisten nichts "richtiges" studiere. Früher musste man arbeiten um zu leben, heute lebt man um zu arbeiten.
Ich möchte leben um zu leben.
Daher kann ich es mir auch noch nicht wirklich vorstellen in der freien Marktwirtschaft zu arbeiten. Ich denke ein ganz normaler Beruf würde mich kaputt machen. Ich brauche den extremen Stress und die extreme Ruhe. Ich muss das Gefühl haben etwas sinnvolles zu tun aber auch das Gefühl haben, dass ich lebe.
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

Heiner Müller - Die Hamletmaschine

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Crow
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Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon Crow » So 26. Feb 2012, 15:54

Hallo

Ich habe da auch schon einiges an Erfahrungen gemacht

Damals^^ als ich noch jung war habe ich Tag täglich nach der Arbeit eine Menge gemacht.Sportvereine, mit Freunden weg gehen, also immer unterwegs gewesen.
Nun bin ich seit 21 Jahren mit meinem Mann zusammen und haben einen 16 jähr.Sohn.Mit Kindern ist das Leben eh anders, denn sie machen einem von jetzt auf gleich einen Strich duch geplante Termine.
Ich gehe Volltags arbeiten, wobei einige Stunden davon im Spätabendbereich liegen.Meine Freizeit ist meine Familie, denn wir haben Rituale wo wir regelmäßig spazieren gehen oder einfach nur Karten spielen oder eine DVD reinschmeißen.
Bei der Freizeit die ich für mich alleine habe, so versuche ich mich regelmäßig mit meinen Freundinen zu treffen.Da diese auch Familie haben ist das leider nicht wöchentlich.Doch wozu gibt es das Telefon^^

Mein gößtes Hobby sind meine Rollenspiele, wo ich in andere Welten abtauche.Und ich sage direkt dazu das das KEINE Flucht ist.Ich bestehe aus massenhafter Phantasie und die will einfach nur raus ^^
Ich habe aber in dieser Rollenspielerwelt schon einige kennengelernt, die in diese Welt eintauchen um der realen zu entfliehen.

Ja das Leben besteht aus Arbeit (wenn man Glück hat eine zu haben), Schlafen gehen , aufstehen .....etc.
Doch nur nix machen erfüllt einen ja auch nicht und ich belohne mich mit mit meiner Freizeit.Aber ich muß dazu sagen, dass ich einen Job habe den ich Liebe !!! Und das Glück hat leider nicht jeder.Daher kann ich nur sagen das mir dieser Rytmus des Lebens nichts ausmacht, denn ich genieße irgendwie jeden Abschnitt und sehe alles POSITIV!!
Natürlich geht das nicht immer und es ist nicht einfach dies zu lernen, dennoch ist es machbar! Ich kann die Welt nicht besser machen, doch durch ein Lachen und Zufriedenheit etwas schöner.

Seinen Weg zu finden um zufrieden zu sein ist machbar wenn man an sich glaubt
LG
Crow
Eine Krähe bringt die Seele in das Land der Toten

keksteilchen
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Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon keksteilchen » Di 22. Jan 2013, 20:10

Der letzte Beitrag is zwar schon ne Weile her, aber weil ich das Thema gut finde geb ich meinen Senf trotzdem dazu.
Ich selbst hab 2 Ausbildungen abgebrochen. Die erste, weil ich es musste und die zweite, weil es zwar Spaß gemacht hat aber mich nicht ausgefüllt hat. Ich konnte mir nicht vorstellen das bis ans Ende meines Lebens zu machen.
Hab dann noch ne Umschulung gemacht die auf meiner zweiten Lehre aufbaute und das Thema noch erweitert hat.

Jetzt arbeite ich seit 3 Jahren in meinem absoluten Traumberuf in dem ich das was ich privat gern mache jeden Tag ausleben kann. Oft geh ich nach meinem normalen Arbeitstag nach Hause und dort geht es dann weiter. Ich kann und will in den meisten Fällen nicht abschalten...sicher wäre es manchmal wünschenswert nicht nachts wachzuliegen weil einen ne Idee nicht loslässt, aber kommt selten vor. Dann steht man auf, setzt die Idee um und dann kann man beruhigt schlafen.

Gab bis jetzt auch noch nicht einen Tag, wo ich nicht gern auf Arbeit gegangen bin. Ich denke das is wichtig.
Jemand der gestreßt, genervt oder unmotiviert zur Arbeit geht, neigt wahrscheinlich eher dazu irgendwann deswegen "freizudrehen".

Wenn man seine Arbeit liebt, auch wenn Sie einen 24/7 beschäftigt, dann kommt es einem nicht so vor als würde man nur Leben um zu arbeiten.

Sicher nehm ich mir ab und zu auch mal kurze "Auszeiten", mache Sachen mit Freunden und Familie oder beschäftige mich allgemein mit anderen Dingen. Das brauch ich um runterzukommen und aufzutanken, aber eher früher als später kann ich doch nicht aus meiner Haut und sitz wieder über der Arbeit/irgendwelchen Ideen die ich habe.

Das "Glück" hat leider nicht jeder und ich hab auch schon erlebt, das Menschen aus meinem Umfeld an Ihrer Arbeit zerbrochen sind. Einfach weil das was Sie machten, nicht das war was Sie wollten. Mit diesem unbefriedigenden Gefühl jeden Tag auf Arbeit zugehen macht einen kaputt.

Mir kann auch keiner versprechen, das ich in 10 Jahren noch genauso denke, aber auch dann hält mich nix davon ab mir etwas neues zusuchen, was mich wieder so ausfüllt, wie es im Moment der Fall ist.
Ich kann nur jedem raten, sich lieber an den verschiedensten Dingen zu probieren, bis man das findet was einen glücklich macht, als an etwas festzuhalten, was einen auf Dauer runterzieht und wo man keinen Spaß dabei hat. Damit wird man nicht alt!

Jack Harkness
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Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon Jack Harkness » Do 16. Okt 2014, 10:43

Hm...mit dem arbeiten ist es ja immer so eine Sache,die einen fluchen auf ihren Job die anderen gehen voll darin auf.Bei mir war es so,dass ich verschiedene Tätigkeiten ausprobiert habe,da war vom Putzengehen bis zur Floristin alles dabei.Nichts war so ,dass ich es hätte Jahrzehnte (wegen der Rente)machen wollte,dann macht das arbeiten einen nur kaputt.Ein Freund bot mir die Alternative an:"mach dich doch selbstständig,ich helfe dir",ich dachte was hab ich zu verlieren?und nahm das Angebot an.Heute hab ich ein Job der mir gefällt und denke nicht darüber nach,dass es eigentlich irgendwo eine Pflicht ist.Der Job kann das Leben bereichern,wenn man nur den richtigen für sich findet.

schwarze Rose1oo

Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon schwarze Rose1oo » Di 28. Okt 2014, 12:47

Ich kann auch hierzu meinen Senf geben. Ich habe schon mit 14 Jahren angefangen neben der 'Schule zu arbeiten. Und dann habe ich auch noch zwei Berufe abgeschlossen. Danach ging es weiter das ich mich in der Medizin weitergeschult habe. Zum Schluss habe ich meinen Beruf ausgeübt nebenbei noch die Kinder erzogen dann noch meinem Ex-Mann im Büro seine Buchhaltung geführt.Und Hausfrau auch noch. Fazit: Heute bin ich Frührentnerin, da ich erst Bournout hatte und nun eine Autoimmunerkrankung die nicht mehr heilbar ist.
Ich kann euch nur sagen: Lasst euch nicht zur Arbeitsmaschiene machen. Denn wenn man einen Motor immerzu auf höchsttour laufen lässt geht er irgendwann kaputt.

Jack Harkness
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Re: Leben um zu arbeiten

Beitragvon Jack Harkness » So 23. Nov 2014, 11:50

Da kann ich Dir nur zustimmen,ich habe mal für eine Leihfirma als allgemeine Helferin gearbeitet.Da waren gut 40 Grad Celsius in der Arbeitshalle,KEIN Wasserspender,keine Fenster,nicht mal ein Fluchtweg wenn es brennt.Sparen der Chefs auf Kosten der Mitarbeiter,lächerliche 7,00 Dm die Stunde gab es,nur eine Essenspause(war Fliessbandarbeit)keine Raucherpause,mit zittrigen Händen kochendheisse Noppen kleben.Das waren Arbeitsbedingungen wie auf einer Römischen GALEERE,pure Sklaverei.Ich weiss um die Notwendigkeit des Geldverdienens aber alles lasse ich mir NICHT gefallen,danach wurde ich selbstständig.


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