Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

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Gattina
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Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Gattina » Mi 22. Aug 2012, 20:44

Was haltet ihr davon?
Habt ihr schonmal freiwillig, für einen gewissen Zeitraum, auf etwas verzichtet?
Wenn ja, was für Lehren habt ihr daraus gezogen?

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Identitätsbehaupter
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Re: Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Identitätsbehaupter » Do 23. Aug 2012, 20:17

Konsequenz ist wie Butter, sobald man sie zu fassen bekommen hat, schmilzt sie in den Händen dahin.

.. Die frage ist, wo fängt sowas definitorisch denn an? Wenn ich einmal Nachmittags auf meine Lieblingsserie verzichte, würde das wohl noch keine Enthaltsamkeit ausmachen.
Nun, fangen wir mal bei so üblichen Sachen, wie trinken/rauchen oder dem allgemeinen Drogenkonsum und der Völlerei zu. Da ich eigentlich nichts davon exzessiv betreibe/betrieb, muss ich mich nicht erst davon zwanghaft fern halten. Bin ich jetzt von Natur aus Enthaltsam? Oder hat Enthaltsamkeit etwas damit zu tun, dass man auf etwas verzichtet, was einem wirklich lieb ist, bzw. dessen Verzicht wirklich weh tut? Muss Enthaltsamkeit weh tun, damit es das ist, was es ist?

Ich habe es vielleicht schon mal erwähnt: Ich esse (fast) kein Fleisch. Ich bin kein Vegetarier, einmal in der Woche gibt es bei mir Bio-Fleisch.. Das wird aber auch immer unregelmäßiger und tendiert zu noch weniger Fleisch. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages ganz verzichten- Aber das ist eine andere Diskussion.
Jedenfalls dachte ich zu Beginn, dass es für mich nicht möglich sei meinen Fleischkonsum so stark zu reduzieren.. All die leckeren Speisen, auf die man verzichten muss.. Aber es klingt tatsächlich schlimmer als es ist- Die meiste Zeit ist es mir nicht einmal bewusst, erst dann wieder, wenn ich mit einem "Normalkonsumenten" essen gehe oder irgendwo eingeladen bin.
Also: Enthaltsam oder nicht?
Außerdem tue ich es nicht für mich, aus irgendwelchen religiösen, kulturellen oder gesundheitlichen Gründen. Enthaltsamkeit resultiert aber meist aus solchen Gründen oder anderen ideelen Überzeugungen.

Wo fängt sowas, Deiner Meinung nach, also an und wo hört es auf?
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

[Hamlet] Tritt in die Rüstung, spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao. Schnee. Eiszeit. "

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Gattina
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Re: Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Gattina » Fr 24. Aug 2012, 08:41

Interessanter neuer Blickwinkel, so hab ich das noch nicht gesehn.
Ich denke schon das es eine natürliche Enthaltsamkeit gibt, das merkt man wenn man sich und andere betrachtet.
Dinge die für andere selbstverständlich und notwenig sind, sind es für mich nicht.

Worauf ich hinaus wollte ist das man sich bewusst wird, wie abhängig man von manchen Dingen ist.
Ich bin z.B. süchtig nach Schokolade. ^^
Ich kann wenn ich will jeden Tag Schokolade konsumieren, da ich genug finanzielle Mittel besitze.
Das würde sich allerdings auf meine Hüften niederschlagen, wenn ich mehr als 290g essen würde.
Ich hab letztens einen Artikel gelesen, indem es darum ging das man ein Steinzeitgen hat, dabei ging es um Ernährung. Süße Beeren aus dem Wald waren in der Steinzeit (/bzw. bevor es Zucker gab) besonders kostbar, weil es sie selten gab und sie gut schmeckten.
Heute gibt es Süßes in Massen...und es wird soviel konsumiert das man es nicht mehr als kostbar wahrnimmt, das Besondere daran geht verloren.
Wir leben in Luxus, ohne das es uns bewusst ist.
Ich denke wenn man auf etwas bewusst verzichtet, merkt man erstmal wie abhängig man ist und wenn man weiter geht, merkt man wie schwer es ist Gewohnheiten abzulegen, und wenn man rausfindet das für andere eine Schale Reis Glück bedeutet, wie verfressen und unbedacht man ist.
Es geht mir um den modernen Menschen, man sieht immer Probleme hier und da, aber sind es wirklich Probleme?

Ich finde Askesemönche inspirierend, ich denke das man dadurch einiges lernen kann.

Manches wird einem erst bewusst, wenn man Dinge nicht mehr hat, denn alles was wir haben ist Selbstverständlich.

Früher war ich verknallt in jemanden der 2000km weit weg wohnte.
Und ich war auf Grund dessen enthaltsam in sexueller Hinsicht, andere Männer interessierten mich nicht.
Wenn man so lange keinen Sex hat, dann lernt man sich selbst und seine Triebe kennen.
Irgendwann wollte ich dann doch Sex haben und fing eine Affäre an.
Der in den ich verknallt war erzählte mir dann, als es nach 2 Jahren Email-Kontakt endlich zu einem Treffen kam, das er 8 Frauen gleichzeitig hat. Hahaha...das kommt davon wenn man zuviel in etwas hinein interpretiert.
Ich schweife jetzt etwas ab.
Zumindest war das auch freiwillige Enthaltsamkeit und doch überraschen einen die eigenen Triebe, die sagen das sie ausgelebt werden wollen! ^^
Es gibt sogar A-Sexuelle Leute, die einmal im Jahr diese Triebe spüren, auch die sind nicht vollkommen frei davon.

Durch Askese kann man sich bewusst werden, was einen selbst ausmacht, wird man sich seiner eigenen irdischen Abhängigkeiten bewusst und erlangt eine andere Weltsicht.
Das beginnt bei einem Stück Schokolade...

Was Religionen angeht, ich bin kein Fan davon Statuen anzubeten.
Ich gehe lediglich fischen und fange interessante Aspekte aus den unterschiedlichen Religionen.
In einigen Religionen kommt eine Fastenzeit vor, welche den Sinn hat sich Selbst dieser Abhängigkeiten bewusst zu werden, aber wer führt das denn bitte konsequent so aus?

Natürlich kann man Askese auch extrem ausführen, bis hin zur Selbstquälerei, soweit muss es aber meiner Meinung nach nicht gehn.
Obwohl man durch unbewusste Selbstquälerei, sobald sie einem bewusst wird, merkt wie dumm das ist.
Aber vieleicht versuchen Askesemönche eine Art von Freiheit zu erreichen, indem sie allem irdischen entsagen?

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Re: Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Gattina » Di 28. Aug 2012, 18:12

Wenn man das jetzt mit Freuds Strukturmodell der Psyche mit dem Es, dem Ich und dem Über-Ich vergleicht, dann bedeutet der bewusste Verzicht auf etwas, sich der wahren Stärke des Es bewusst zu werden.
Somit würde man eventuell bedachter handeln?

Ich halte die meisten Menschen für sehr Es gesteuert und denke das die meisten sich dem garnicht bewusst sind.

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Re: Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Identitätsbehaupter » Di 4. Dez 2012, 19:06

Ich halte die meisten Menschen für sehr Es gesteuert und denke das die meisten sich dem garnicht bewusst sind.

Da muss ich widersprechen..
Das Es nach Freud handelt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, eher affektiv und instinktgetrieben.
Was man allerdings in der modernen Gesellschaft beobachten kann, ist, dass die Menschen Nutzenmaximierend handeln, nach dem Modell des Homo Oeconimicus. Das ist durchaus etwas anderes, denn der Nutzenmaximierer kalkuliert rational, um den größtmöglichen Nutzen durch die einfachsten/günstigsten Mittel erzielen kann.
Dieses Konzept wiederum beinhaltet aber auch, dass man eine sog. Befriedigungsverschiebung vornimmt um die maximale Befriedigung zu erhalten, die man mit den gegebenen Ressourcen erreichen kann.
Bsp: Kurzfristige Lustbefriedigung wäre, wenn ich heute nicht zur Arbeit gehe und dafür saufe. -> Hat aber den Effekt, dass ich später nicht mehr saufen gehen kann, weil ich rausgeschmissen werde und kein Geld habe (mal ganz plakativ dargestellt). - So würde Es handeln.
Rationales Nutzenmaximierer-Prinzip: Wenn ich Arbeiten gehe kann ich mir auch in Zukunft saufen gehen.

Fazit: Die Moderne hat das Es sogar so gut unter Kontrolle gebracht, dass die Befriedigung unserer eigentlichen Bedürfnisse manchmal durch unsere zu krass gefasste Kalkulation des Nutzens zu kurz kommen - Denn oft wird die Zeitressource vergessen/durch die Mittel bereits aufgebraucht (Wenn ich so viel Arbeiten gehe, dass ich nicht mehr zum saufen komme).
Frei nach dem Motto: Früher haben wir gearbeitet um zu Leben und heute leben wir um zu arbeiten.
Diese Strömung beobachte ich sehr viel Stärker in der Gesellschaft.
Naja, manchen gefällt's ja - und Marx ist tot!
"Ich will nicht mehr essen trinken atmen eine Frau lieben einen Mann ein Kind ein Tier. Ich will nicht mehr sterben. Ich will nicht mehr töten.[...]
Ich breche mein versiegeltes Fleisch auf. Ich will in meinen Adern wohnen, im Mark meiner Knochen, im Labyrinth meines Schädels. Ich ziehe mich zurück in meine Eingeweide. Ich nehme Platz in meiner Scheiße, meinem Blut.[...]

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Jack Harkness
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Re: Askese / Enthaltsamkeit / Fasten

Beitragvon Jack Harkness » Mo 10. Nov 2014, 17:26

Nun Enthaltsamkeit bedeutet für mich alle unnotwendigen Konsumierereien zu unterlassen,aber das Notwendige durchaus der Gesundheit zuliebe dem Körper zuzuführen.Ein Beispiel:Sommer 30Grad Celsius:Wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin,muss ich nicht für § Euro eine teure Cola kaufen,sondern gehe zum Brunnen,wo es Wasser umsonst gibt.Der Körper braucht ja bei Hitze Flüssigkeit,die er so bekommt aber Cola muss nicht sein,und so mache ich es mit allem.Alles was sein muss aber nichts unnotwendiges,denn es kostet nur Geld,und wenn man sieht,dass andere nicht mal zu essen haben,hätte ich sonst auch Schuldgefühle.


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